Paula Pichier erfolgreich bei den Deaflympics

Bei der 24. Ausgabe der Deaflympics im bra­si­lia­ni­schen Caxias do Sul war auch die Berlinerin Paula Pichier von den Wasserfreunden Spandau 04 mit dabei. Die 13-Jährige über­traf ihre eige­nen Erwartungen: 100 m Rücken: Platz 6, 50 m Rücken: Platz 7, 100 m Brust: Platz 8, 50 m Brust: Platz 5 , 200 m Brust: Platz 5. Wir tra­fen die gehör­lo­se Schwimmerin zum Interview im Olympiapark Berlin.

Paula, was hast Du nach Deinem Erfolg gemacht – gefeiert?
Ein wenig. Ich wur­de am Olympiastadion von mei­nen Freundinnen mit Schildern und Trommeln emp­fan­gen, das war klas­se. Die Trainer und mei­ne Familie haben natür­lich auch gra­tu­liert. Leider wur­de ich danach erst ein­mal krank und muss­te mich erho­len. Inzwischen trai­nie­re ich aber wieder.

Was steht als nächs­tes im Schwimmen an?
Die Berliner Meisterschaften sind Anfang Juli, da möch­te ich die Bruststrecken schwim­men (50, 100 und 200 m) und even­tu­ell Schmetterling und Lagen. Ich stre­be natür­lich Bestzeiten an, muss aber erst ein­mal schau­en, was nach der Pause mög­lich ist.

Wie ist jetzt Dein Verhältnis zu Deinem drei Jahre älte­ren Bruder Felix? Immerhin hat er Dich zum Schwimmen gebracht, war dann aber auch erst ein­mal Dein Konkurrent.
Das stimmt, aber das ist Jahre her. Seit ich auf der Sportschule bin, ist das nicht mehr so. Felix macht nächs­tes Jahr sein Abitur und schwimmt im Breitensport, so dass er jetzt einen ganz ande­ren Fokus hat als ich.

Wer oder was spornt Dich an?
Als Person ein Sportkamerad, der ein Jahr jün­ger ist, aber zum Teil bes­ser schwimmt. Ansonsten spornt mich an, aus Fehlern zu ler­nen, bes­ser zu wer­den und Wettkämpfe zu gewin­nen. Meine Ziele sind die Teilnahme an der Gehörlosen-WM in Argentinien im nächs­ten Jahr und an den Deaflympics in Tokio 2025. Bei bei­den will ich gut abschnei­den und eine Medaille holen. Und ich möch­te auch bei den Meisterschaften der Hörenden gern vor­ne mitschwimmen.

Deine Trainerin Renate Stamm ach­tet dar­auf, dass Du alles ver­stehst, will Dich aber nicht bevor­zugt behan­deln. Wie geht es Dir damit?
Ich will das auch so. Klar höre ich etwas schlech­ter, aber des­we­gen schwim­me ich nicht schlech­ter! Für mich macht es kei­nen Unterschied, da ich ja im Wasser ein beson­de­res Hörgerät tra­ge, das mich fast nor­mal hören lässt. Bei den Gehörlosen-Wettkämpfen darf aber kei­ne Hörhilfe getra­gen wer­den, denn es gibt Gehörlose, die auch mit Hörhilfen nichts hören kön­nen. In der Schule tra­ge ich eine nor­ma­le Hörhilfe und kom­me damit auch gut klar, denn ich bin mit ihr und ohne Gebärdensprache aufgewachsen.

Hast Du ein Wettkampf-Ritual oder einen Glücksbringer?
Erst ein­mal lege ich mir für jede Disziplin gedank­lich einen Badeanzug zurecht, immer ein bestimm­ter für eine Disziplin. Morgens vor dem Wettkampf höre ich dann moti­vie­ren­de Musik, um mich kon­zen­trie­ren zu können.

Bleibt neben dem Schwimmtraining – immer­hin sie­ben Einheiten in der Woche – noch Zeit für Hobbys?
Ja klar. Ich mache was mit Freundinnen, zum Beispiel Basketball, Fußball oder Rollerfahren. Zuhause chil­le ich aber am liebsten.

Hast Du ein Vorbild?
Nein. Ich bewun­de­re aber alle Leute, die Medaillen gewon­nen oder schwe­re Schicksale über­stan­den haben und wie­der auf­ge­stan­den sind.

Wovon träumst Du noch?
Tokio ist mein Traumland, das ich unbe­dingt sehen will. Ich find die Kultur toll, die Technik ist wei­ter fort­ge­schrit­ten als hier, alles ist sau­ber und das Essen ist klasse.

Also isst Du am liebs­ten japanisch. 
Und ich lie­be ita­lie­ni­sche Gerichte wie Pasta und Pizza! Jetzt kann ich auch noch alles ohne Vorgaben essen, irgend­wann wer­de ich aber auf­pas­sen müs­sen beim Gewicht. Wobei das beim Schwimmen weni­ger ent­schei­det als die Größe. Je grö­ßer man ist, umso bes­ser. Ich bin jetzt 1,62 m groß.

Wie sieht es mit der Konkurrenz aus – wer ist die Dir im Schwimmen auf den Fersen?
International ist das schwie­rig zu sagen. Die Ukraine, USA, Japan sind star­ke Länder. Meine natio­na­len Konkurrentinnen kom­men aus Hohenschönhausen oder hier vom SV Wasserfreunde Spandau.

Wofür bist Du dankbar?
Dass mei­ne Eltern mich immer unter­stüt­zen und dass ich auf die Sportschule gehen kann, wo man mich leis­tungs­tech­nisch voranbringt.