Franziska van Almsick erhält "Goldene Sportpyramide"

Ehrung der Deutschen Sporthilfe für das Lebenswerk des ers­ten gesamt­deut­schen Sportstars / Preisverleihung am 21. November im Allianz Forum in Berlin

Pressemitteilung der Stiftung Deutsche Sporthilfe
Die „Goldene Sportpyramide“ geht in die­sem Jahr an Franziska van Almsick. Die frü­he­re Weltklasse-Schwimmerin, die nach der Wiedervereinigung zum ers­ten gesamt­deut­schen Sportstar und zum Liebling der Nation avan­cier­te, erhält die Auszeichnung am 21. November im Allianz Forum in Berlin. Das Preisgeld von 25.000 Euro geht tra­di­tio­nell an von der Preisträgerin zu benen­nen­de Projekte im Sport.

Franziska van Almsick war in den 1990er Jahren die erfolg­reichs­te Schwimmerin Deutschlands. Zwischen 1992 und 2004 stand „Franzi“ inter­na­tio­nal 43 Mal auf dem Treppchen, gewann zehn Olympiamedaillen, zwei Welt- und acht­zehn EM-Titel und stell­te zudem sechs Weltrekorde auf.

Mit dem Schwimmsport begann van Almsick im Alter von fünf Jahren in der dama­li­gen DDR, für die bun­des­deut­schen Medien tauch­te sie 1991 aber fak­tisch aus dem Nichts auf, als sie sich mit einem Schlag über 200 m Freistil von „null“ auf Platz 15 der Weltrangliste kata­pul­tier­te. Den ers­ten Höhepunkt erreich­te ihr kome­ten­haf­ter Aufstieg bei den Olympischen Spielen 1992 in Barcelona, wo sie als 14-Jährige je zwei Silber- und Bronzemedaillen gewann. Das "Nesthäkchen" unter den deut­schen Teilnehmern wur­de zum "Liebling der Nation". In der Folgezeit war ihre Karriere geprägt von vie­len sport­li­chen Höhepunkten („Goldfisch“), aber auch von diver­sen Tiefschlägen („Franzi van Speck“). Bei den Olympischen Spielen 1996 in Atlanta ging sie über 200 m Freistil als gro­ße Favoritin an den Start, gewann aber „nur“ die Silbermedaille. Dies war der Beginn einer Jagd nach einem Olympiasieg, der ihr bis zum Karriereende 2004 nicht gelin­gen soll­te. Zur sport­li­chen Enttäuschung wur­den die Spiele 2000 in Sydney, bei denen sie es in kein Einzelfinale schaff­te; mit der Staffel gewann sie eine Bronzemedaille. Bei den Olympischen Spielen 2004 gewann sie zwei wei­te­re Bronzemedaillen und been­de­te anschlie­ßend ihre Karriere.

War sie bei Niederlagen von Boulevard-Medien teil­wei­se mit unter die Gürtellinie gehen­den Beleidigungen bedacht wor­den, war nach 2004 von Häme und Schadenfreude nichts zu spü­ren. Der Spiegel schrieb: „Sie war der ers­te gesamt­deut­sche Sportstar. Sie wur­de über­for­dert, schei­ter­te gran­di­os – und fand den­noch den Weg zurück, zur Athletin ohne Allüren.“ Von den Sportjournalisten wur­de sie 1993 zur „Weltsportlerin des Jahres“ gekürt und war „Europasportlerin des Jahres“. Zur „Sportlerin des Jahres“ in Deutschland wur­de sie 1993, 1995 und 2002 gewählt.

Nach ihrer Karriere arbei­te­te sie bei Schwimm-Großereignissen als Co-Kommentatorin für die ARD, 2006 für kur­ze Zeit auf RTL für die Formel 1. Seit 2008 ist sie bei der Deutschen Sporthilfe ehren­amt­lich aktiv, seit 2010 stell­ver­tre­ten­de Vorsitzende des Aufsichtsrates. Mit der „Franziska van Almsick“-Stiftung setzt sie sich dafür ein, dass Kinder sicher schwim­men kön­nen, wenn sie die Grundschule ver­las­sen und hat dazu pas­send drei Kinderbücher ver­öf­fent­licht. Zudem enga­giert sie sich für „Gesicht zei­gen – für ein welt­of­fe­nes Deutschland“, die Tabaluga-Kinderhilfe, Aktion Courage, die Kampagne fair feels good, Verein „Sportler für Organspende“ und „Keine Macht den Drogen“.

Die Wahl des Preisträgers der „Goldenen Sportpyramide“ erfolgt durch die bis­he­ri­gen Preisträger sowie den Sporthilfe-Stiftungsrat als unab­hän­gi­ge Jury. Seit dem Jahr 2000 wird die „Goldene Sportpyramide“ ver­lie­hen. Unter den Preisträgern sind u.a. Steffi Graf, Franz Beckenbauer, Heiner Brand, Henry Maske, Rosi Mittermaier-Neureuther, Uwe Seeler und Max Schmeling. Gleichzeitig wird Franziska van Almsick Mitglied der „Hall of Fame des deut­schen Sports“, die damit zukünf­tig aus 117 Mitgliedern besteht. In die­sem Jahr wer­den am 21. November in Berlin außer­dem Gunda Niemann-Stirnemann (Eisschnelllauf), Martin Braxenthaler (Para Ski alpin) und Prof. Walther Tröger (Sportfunktionär) auf­ge­nom­men. Die im Jahr 2006 von der Deutschen Sporthilfe initi­ier­te „Hall of Fame des deut­schen Sports“ ist ein Forum der Erinnerung an Menschen, die durch ihren Erfolg im Wettkampf oder durch ihren Einsatz für Sport und Gesellschaft Geschichte geschrie­ben haben. Die „Hall of Fame“ wird von adi­das beglei­tet und exis­tiert „vir­tu­ell“ im Internet. Träger und vor­schlags­be­rech­tigt sind neben der Deutschen Sporthilfe der Deutsche Olympische Sportbund und der Verband Deutscher Sportjournalisten.

Drei Fragen an Franziska van Almsick:

Was bedeu­tet Ihnen die Auszeichnung mit der „Goldenen Sportpyramide“?
Ich füh­le mich sehr geehrt, zumal alle noch leben­den Preisträger selbst in der Jury sit­zen. Ich ver­ste­he die Goldene Sportpyramide als eine Auszeichnung inner­halb der deut­schen Sportfamilie. Es ist die höchs­te Auszeichnung im deut­schen Sport.

Es ist eine Ehrung für das Lebenswerk, aber mit 41 Jahren sind Sie sicher­lich noch nicht am Ende Ihres Schaffens. Was haben Sie auf Ihrer wei­te­ren Lebens-To-Do-Liste ste­hen?
Vor zehn Jahren haben wir einen Verein gegrün­det, der sich dar­um küm­mert, dass Kinder sicher schwim­men ler­nen. Mit der Umwandlung in eine Stiftung wur­de der Grundstein für die nächs­ten Jahre gelebt. Mein Ziel ist es, einen Beitrag zu leis­ten, damit noch mehr Kinder sicher schwim­men kön­nen, denn schwim­men ret­tet Leben.

Wenn Sie die heu­ti­ge Sporthilfe-Förderung mit der Ihrigen Anfang der 1990er Jahre ver­glei­chen. Was hat sich ver­än­dert?
Als ich 1991, mit 13 Jahren, in die Förderung auf­ge­nom­men wur­de, war das wie ein Ritterschlag für mich. Es war das Zeichen, dass ich zu den bes­ten Nachwuchsathleten Deutschlands gehö­re. Die ers­te finan­zi­el­le Unterstützung war für mich und spe­zi­ell auch für mei­ne Eltern groß­ar­tig und wich­tig. Damals wur­den die Besten mit ca. 200 Mark unter­stützt. Das war für dama­li­ge Verhältnisse sehr viel Geld. Und heu­te sind wir mit der Deutschen Sporthilfe in der Lage, deut­lich inten­si­ver zu för­dern. Heute wer­den Top-Team-Athleten mit 800 Euro bis hin zu 1.500 Euro monat­lich unter­stützt, in der unmit­tel­ba­ren Vorbereitung auf die Olympischen Spiele mit dem Förderprogramm ElitePlus sogar mit bis zu 2.500 Euro. Dazu kommt, und das ist in mei­nen Augen min­des­tens eben­so wich­tig, eine exzel­len­te Unterstützung auf dem Weg zur beruf­li­chen Karriere. Die Sporthilfe hat in den letz­ten Jahren viel bewegt, damit eine Spitzensportkarriere kein ent­schei­den­der Nachteil für die spä­te­re beruf­li­che Laufbahn ist. Das ist extrem wich­tig, um die bes­ten Talente für den Leistungssport zu gewin­nen.