Page 32 - OSP Einblicke 2-2025
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BERLINER GESICHTER FÜR MAILAND CORTINA

    Berlins Para-Eishockey-Pionier

              Leopold Reimann im Interview

Deutschland hat im Para-Eishockey erstmals seit       Ja, das kommt sicher noch vom Rudern. Da bist du
20 Jahren wieder den Quotenplatz für die Paralym-     immer nur mit dir selbst beschäftigt, musst mental
pics gesichert. Für den Berliner Leopold Reimann      stark sein. Das nehme ich jetzt mit aufs Eis. Ich
begann der Weg nach Mailand Cortina erst vor zwei     kann die Mannschaft ganz gut pushen und moti-
Jahren – mit dem Wechsel vom Para-Rudern               vieren.
aufs Eis. Die Nominierung steht noch
aus, aber Reimann gilt als starker                                     Wie wurdest du damals im Team auf-
Kandidat und könnte der erste                                             genommen?
Berliner Para-Athlet bei Winter-                                             Sehr herzlich. Aber ich habe
Paralympics (6.-15. März                                                       auch schnell gemerkt, dass die
2026) werden.                                                                    Erwartungen an mich ziem-
                                                                                  lich hoch waren. Die wussten,
Du bist noch gar nicht so                                                          dass ich aus dem Para-Ru-
lange im Para-Eishockey.                                                           dern komme, zehn Jahre
Wann hast du gewechselt                                                            Leistungssport hinter mir
und warum?                                                                         habe, mehrmals Deutscher
Im November 2023. Ich                                                             Meister war und bei Welt- und
hatte im Para-Rudern ein-                                                        Europameisterschaften gestar-
fach keine guten Perspektiven                                                  tet bin. Entsprechend war der
mehr. Dann wollte ich in einer                                               Anspruch an mich direkt groß –
neuen Sportart angreifen und                                              so nach dem Motto: „Unser Neuer,
habe zum Glück was gefunden, das
mir liegt und richtig Spaß macht.                                      der Starke!“

Kann man sagen, dass mit dem Wechsel dein Weg         Man hört ja oft von Aufnahmeritualen beim
nach Mailand zu den Paralympics angefangen hat?       Eishockey. Gab’s da auch eins?
Ja, auf jeden Fall. Das war genau der Grund, warum    (lacht) Nee, das einzige Ritual was es gibt - bei
ich gewechselt bin. Ich wollte nochmal alles geben    einem Länderspiel - erstes Tor, das heißt Glatze!
– mit dem Ziel Paralympics.                           Die trage ich gerade, weil ich kürzlich zwei Tore ge-
                                                      schossen habe.
Was war der Schlüsselmoment auf dem Weg zur
Qualifikation?                                        Wie würdest du deine Rolle im Team beschreiben?
Das war die B-Weltmeisterschaft in Norwegen im        Ich bin, glaub ich, so ein bisschen der Clown in der
April 2024, wo wir Zweite wurden und in den A-        Truppe. Ich bin laut, mache viele Späße, bin mitt-
Pool aufgestiegen sind, also unter die acht besten    lerweile auch DJ der Mannschaft (lacht). Gleich-
Mannschaften. Bei der A-WM in den USA gab es          zeitig bin ich im Training und in Spielen eher der
dann fünf Tickets für die Paralympics und wir wur-
den Fünfte.

War das überraschend für euch?
Wir wussten, dass es möglich ist, aber einfach war
es auf keinen Fall. Wir hatten mit Kanada und China
zwei super starke Auftaktgegner und mussten
gegen Südkorea unbedingt gewinnen. Wir haben
das Spiel in der Overtime gedreht. Da ist der Knoten
geplatzt. Gegen Norwegen und die Slowakei folgten
dann souveräne Siege.

Selbstbewusstsein ist also deine Stärke, die du
auch ans Team weitergibst?

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